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Vortrag von Rainer Bartels (Archäologe) über die Ausgrabung eines außergewöhnlichen Gräberfeldes an der Autobahnabfahrt Schmölln.

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Datum/Uhrzeit
21/04/2016
19:00

Wo?
Dominikanerkloster Prenzlau


Das jungsteinzeitliche und eisenzeitliche Gräberfeld an der Autobahn A 11 bei Schmölln – Überblick und erste Ergebnisse der Auswertung.
Vortrag von Rainer Bartels

Ort:     Dominikanerkloster Prenzlau, Kleinkunstsaal
Zeit:    21.04.2016, 19.00 Uhr

Von Ende September 2014 bis zum April 2015 fanden unter der Leitung des Archäologen Rainer Bartels großflächige Ausgrabungen auf dem Fundplatz „Schmölln 46“ an der Schmöllner Abfahrt der Autobahn A 11 statt.

Im Vorfeld des geplanten Ausbaus der A11 waren vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum (BLDAM) Voruntersuchungen auf dem Baufeld eines Regenrückhaltebeckens am Rand des Randowbruchs durchgeführt worden. Die angelegten Suchschnitte führten zur überraschenden Entdeckung mehrerer Steinsetzungen, die an der Geländeoberfläche nicht erkennbar waren. Geophysikalische Untersuchungen bestätigten die vermutete Ausdehnung dieser Strukturen. Im Verlauf der anschließenden Ausgrabung zeigte sich, dass es sich bei den zuerst entdeckten runden Steinpflastern um die Abdeckungen eisenzeitlicher Urnengräber aus der Zeit um 500 v. Chr. handelte. Daneben traten auch mehrere längliche Steinsetzungen von bis zu 105 m Länge auf. Gegen Ende des geplanten Grabungszeitraums kamen auf der Restfläche – wiederum völlig überraschend – mehrere jungsteinzeitliche Körperbestattungen aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. zum Vorschein, unter anderem ein Großsteingrab. Diese Entdeckung war deshalb so außergewöhnlich, weil Großsteingräber traditionell eher auf Anhöhen anstatt in Niederungen auftreten. Insgesamt bestand auf dem Schmöllner Gräberfeld eine etwa dreitausendjährige Bestattungstradition, die von der mittleren Jungsteinzeit bis zur vorrömischen Eisenzeit reicht.

Die Veröffentlichung der Grabungsergebnisse auf einem Pressetermin löste ein großes öffentliches Interesse aus. An einer Informationsveranstaltung des BLDAM vor Ort nahmen Hunderte von einheimischen und auswärtigen Interessierten teil. Täglich kamen bis zum Grabungsende weitere Besucher auf die Grabung; einige begannen intensiv, sich für die Verlegung des geplanten Regenwasserbeckens zu engagieren. Schnell machten alle möglichen Theorien die Runde, was es mit den Gräbern und den Steinsetzungen auf sich haben könnte; unter anderem wurden astronomische Bezüge der Strukturen vermutet.

Der Grabungsleiter Rainer Bartels sagt selbst, dass er in Schmölln „die Grabung seines Lebens“ leiten durfte. Folgerichtig möchte er seine Grabung im Rahmen einer Doktorarbeit auswerten. Der erste Schritt war Ende 2015 mit der Fertigstellung des technischen Grabungsberichts getan. Trotz dessen beachtlichen Umfangs ist er nur die Basis für die eigentliche wissenschaftliche Auswertung. Diese umfasst neben der archäologischen Einordnung der Funde und Befunde auch zahlreiche naturwissenschaftliche Untersuchungen aus unterschiedlichen Fachbereichen.

Rainer Bartels wird in einem reich bebilderten Vortrag einen Gesamtüberblick über die Steinsetzungen geben und zahlreiche interessante Details sowie erste Datierungen vorstellen. Darüber hinaus enthält der Vortrag einen Ausblick auf die bereits laufenden und auf die zukünftigen Forschungsvorhaben. Die weiteren Forschungen lassen neue Erkenntnisse erwarten, die nicht nur diesen außergewöhnlichen Fundplatz, sondern das gesamte Randowgebiet betreffen.

Schmoelln_46_R.Bartels

Prenzlauer Zeitung 12-03-2015

Prenzlauer Zeitung 12-03-2015

Prenzlauer Zeitung AnzeigenKurier 04-03-2015

Prenzlauer Zeitung AnzeigenKurier 04-03-2015