Hilferuf

Auf Anregung unseres Vereinsmitgliedes Hans Burmeister bewarb sich der Geschichtsverein am 1. September 1990 um den Prenzlauer Hexenturm, der in der Folgezeit in ehrenamtlicher Arbeit entrümpelt und gereinigt wurde. Der herabfallende Putz vom Kegeldach hatte alle Wasserspeier im Wehrgang verstopft, sodass der Turm im oberen Teil schon erheblich Schaden genommen hatte. Hinzu kam aggressiver Vogelkot, der sich auf beinahe allen Turmebenen auf mehrere Zentimeter Stärke angesammelt hatte. Die defekte Elektroinstallation wurde von unserem Vereinsmitglied Arno Völz einschließlich der Nachtspeicheröfen repariert. Bald war der Turm soweit hergerichtet, dass wir hier die Anfänge unserer Bibliothek unterbringen konnten. Im Mai 1991 führten wir dann unsere erste Jahreshauptversammlung im Kaminzimmer des Hexenturms durch. Nachdem wir im September 1993 von der Stadtverwaltung das Angebot erhielten, den Steintorturm zu nutzen, wechselten wir den Vereinssitz, ohne jedoch den Hexenturm aufzugeben. Erst als die Stadt auf die Übernahme aller laufenden Kosten für beide Türme bestand (der Hexenturm ist für etwa 700 Euro Jahresprämie u. a. gegen Feuer und Leitungswasserschäden versichert), hat sich der Vereinsvorstand dafür entscheiden müssen, diesen Turm aufzugeben, was dazu führte, dass er erneut sich selbst überlassen blieb und Schaden nahm. Glücklicher Weise konnte der Turm 2011 dann mit Fördermitteln saniert werden. 2013 kann das ehemalige Verließ von den Besuchern der Landesgartenschau besichtigt werden.

Quelle:

  •  Tätigkeitsbericht 1989–1992, In: Mitt. Uckermärk. Geschver. H. 1, S. 39–44.
  • Tätigkeitsbericht 1992/93, In: Mitt. Uckermärk. Geschver. H. 2, S. 70–76.
  • Der Uckermärker. Nr. 1/1991.

 

Hexenturm. Der ab dem Jahre 1494 nachträglich in die Stadtmauer eingefügte Hexenturm ist 25 m hoch und diente als Gefängnis und Wachturm. In sieben Schießscharten haben sich original verbaute Hölzer erhalten, sechs Hölzer schienen für eine dendrochronologische Untersuchung geeignet. Fünf Hölzer erbrachten Fälldaten „kurz nach 1498“ (K.-U. Heußner: Dendrochronologisches Gutachten des DAI vom 13.10.2008. Proben Nr.: C 50796–50801), was auf eine Bauzeit von fünf bis sechs Jahren schließen lässt. Er hat fünf übereinander liegende Geschosse und ein etwa 8 m tiefes Verließ. Der ursprüngliche Eingang liegt 3,50 m hoch und war nur mit einer Leiter erreichbar. Nachträglich wurde erst im letzten Jahrhundert ein zweiter Eingang feldseitig eingebrochen. Dieser führt direkt in das Verließ. Der obere Zinnenkranz ist mit Wappen geschmückt, das Kegeldach trug einen schmiedeeisernen Adler auf der Spitze. Nach Aussagen des Chronisten Süring haben in diesem Turm eine ganze Reihe von Frauen und Mädchen gesessen. So hat die Hexe von Jagow, nachdem sie die Tortur (Folter) überstanden hatte, nach dreijährigem Prozess noch hier geschmachtet und ist 1662 auf Urteil der Universität Frankfurt an der Oder des Landes verwiesen worden. Andere Frauen gestanden unter den Qualen der Folter und wurden verbrannt. Die Verbrennungen fanden auf dem Prenzlauer Marktplatz statt und waren ein stark besuchtes „Schauspiel“. Der Löhnischen wurde im Haus des Henkers, das auf dem Papendik stand, der Hals mit Gewalt umgedreht. Aber nicht nur Frauen gehörten zu den Eingekerkerten und Verfolgten. Auf einem im Hexenturm gefundenen Klosterformatstein ist die Leidensgeschichte eines Mannes, der der Hexerei angeklagt wurde, eingeritzt. Der Text lautet sinngemäß: „Anno 1624 hat Christoph Primikendorf wegen seiner leichtfertigen Landhure, die ihr Lebtag keinen rechten Mann gehabt hat und 18 Jahre gehurt. Hat müssen auf seines Weibes Anklage etliche Wochen in dem Gehorsam (Gefängnis) liegen. Ist das nicht x (Christi) Erbarmen? Hätte sie mir können das Haupt abringen, sie hätte darum getanzt wie Herodes Tochter um Johannes Haupt.“ Der Stein liegt heute im Prenzlauer Museum. Hexenprozesse fanden noch bis zum Jahre 1728 statt. 2011 wurden der Wehrgang und der Zinnenkranz für 120 000 Euro umfassend saniert. Zeitgleich erhielt der Turm eine neue Außentreppe (s.u. Inquisition). Lit.: Ohle: Die Hexen in und um Prenzlau, in: MUMGVP (1. Heft), Prenzlau 1907. Schulze, Johannes: Prenzlauer Hexenprozesse, in: HK 1936, S. 37-39. Zierke, Jürgen: Hexen und Hexenprozesse in der Uckermark, in: HK 1959, S. 84-87. Kohn, Gerhard: Der Prenzlauer Hexenturm, in: MUGVP Heft 1, 1992, S. 31ff. Ders.: Hexen, Zauberer und anderer Spuk in der Uckermark, in: HK 1996, S. 111-115. Weinhold, Günter: Der Hexenturm gibt ein Geheimnis preis, in: PB, S. 113-116. Hinrichs, Alfred: Der Prenzlauer Hexenturm, Prenzlau (maschinenschriftlich) 1955. Pfotenhauer, Christin: Vom Prenzlauer Hexenturm, in: HK 1994, S. 123. Kohn, Gerhard: Von Ketzern und Hexen in der Uckermark, in: HK 2010, S. 37-39.

aus: Jürgen Theil, Prenzlauer Stadtlexikon.

 

Der Prenzlauer Hexenturm vom Stadtpark aus. Der Park wurde auf der planierten ehemaligen Wall-Graben-Vorbefestigung angelegt. (Bild: Jürgen Theil)

Der Prenzlauer Hexenturm vom Stadtpark aus. Der Park wurde auf der planierten ehemaligen Wall-Graben-Vorbefestigung angelegt. (Bild: Jürgen Theil)