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Buchvorstellung: „1945. Zwischen Krieg und Frieden. Erinnerungen aus Mecklenburg-Vorpommern und der Uckermark.“

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Datum/Uhrzeit
14/07/2015
19:00

Wo?
Dominikanerkloster Prenzlau


Prenzlau. Martha Kroß gehörte zu den Hunderttausenden jungen Frauen in Ostpreußen, die den Eroberungsfeldzug Adolf Hitlers gen Osten ausbaden mussten. Als die Front im Januar 1945 zurückkehrte Richtung Deutschland wurde die Heimat ihrer Familie überrollt. Martha Kroß lebte mit ihren Eltern und acht Geschwistern in Schöneberg im Ermland, dem heute polnischen Wysocka Dabrowa in den Masuren. Viel zu spät kam der Treckbefehl, um vielleicht doch noch vor der Roten Armee fliehen zu können. Martha Kroß wurde in ein sowjetisches Internierungslager eingeliefert und erst 1949 entlassen. In Seehausen bei Prenzlau, wo ihr Vater eine Anstellung als Bahnbeamter bekommen hatte, fand sie ihre neue Heimat. Heute lebt Martha Kroß in Prenzlau. Am 1. September dieses Jahres feiert sie ihren 90. Geburtstag.

Die Geschichte von Martha Kroß findet sich auch in dem Buch „1945. Zwischen Krieg und Frieden. Erinnerungen aus Mecklenburg-Vorpommern und der Uckermark“. Der bei Mecklenbook, dem Verlag des Nordkurier/UckermarkKurier, erschienene Band, kam am 8. Mai dieses Jahres heraus, anlässlich des 70. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkriegs. Wir hatten unsere Leser gebeten, uns ihre Erinnerungen an die letzten Monate des Krieges und die ersten Monate des Friedens zu senden. Die Resonanz war beeindruckend. Neben zahlreichen Veröffentlichungen in der Zeitung entstand das Buch. Hier finden sich zahlreiche, sehr persönliche Erinnerungen von Zeitzeugen und deren Nachkommen, oft auch Geschichten der Flucht aus den früheren Gebieten Deutschlands. Berichtet wird aber auch von den Vergewaltigungen durch sowjetische Soldaten, ein Thema, das vor der Wende weitestgehend tabu war. Zudem finden sich in dem Buch zahlreiche bedrückende Fotos der Zerstörung der Innenstädte von Prenzlau, Pasewalk, Demmin und Neubrandenburg.

Martha Kroß lernte in der Uckermark ihren Mann Horst kennen. 1953 heirateten beide. Auf ihre Geschichte machte uns der 1954 geborene Sohn Günter Kroß aufmerksam. „Es ist für uns aus heutiger Sicht unvorstellbar, mit welcher Grausamkeit die von den russischen Funktionären noch zusätzlich aufgeputschten Soldaten sich gerade im südlichen und östlichen Teil Ostpreußens austobten“, schreibt Günter Kroß. Er stellt aber zugleich auch klar: „Wenn man dann im Gegenzug die Berichte und Bilder über die Befreiung von Auschwitz sieht, muss man als Deutscher auch andere Fragen stellen beziehungsweise sich gefallen lassen!“

Die Redakteure des Nordkurier / UckermarkKurier, Anja Rau und Frank Wilhelm, lesen am Dienstag, den 14. Juli, um 19 Uhr im Dominikanerkloster Prenzlau aus dem Buch. Der Eintritt ist frei. Mitveranstalter der Lesung sind der Uckermärkische Geschichtsverein zu Prenzlau sowie das Dominikanerkloster Prenzlau. Das Buch kann während der Veranstaltung erworben werden.

Dr. Frank Wilhelm
Reporter

Prenzlauer Zeitung vom 15.07.2015

Prenzlauer Zeitung vom 15.07.2015