Hilferuf

Der Stein- oder Schwedter Torturm (Sternwarte)

Der noch gut erhaltene Steinturm wird seit September 1993 vom Uckermärkischen Geschichtsverein zu Prenzlau genutzt. In den zurückliegenden 20 Jahren führten die Vereinsmitglieder zahlreiche Arbeitseinsätze durch, um den Turm für Besucher und Gäste attraktiver zu gestalten. 1994 und 1996 konnten die Arbeiten dank Stellen über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) deutlich vorangetrieben werden. So wurden u. a. der Fußboden im Erdgeschoss neu gefliest, die Holztreppen mehrfach konserviert, ein vermauertes Fenster aufgebrochen und mit einem neuen Fensterflügel versehen, die Elektrik teilweise instand gesetzt, neue Nachtspeicheröfen installiert, historische Leuchter aufgearbeitet und installiert, Regale für das Zeitungsarchiv eingebaut, verschiedene Möbel angeschafft, ein Versammlungsraum im Obergeschoss eingerichtet und mit Unterstützung der Stadt Ausstieg und Aussichtsplattform renoviert sowie verschiedene Ausstellungen organisiert. Wichtig für die Realisierung der Arbeiten waren Spenden, die auch Dank der breiten Unterstützung eines Spendenaufrufes dem Verein zur Verfügung standen.

Vom Dach des Turmes aus hat man einen sehr guten Rundblick auf die Altstadt und den Uckersee. Den größten Anteil an den in den letzten Jahren durchgesetzten Veränderungen hat unser Turmwart Gert Winterberg, der auch das Pressearchiv (Außenstelle der Vereinsbibliothek) verwaltet und pflegt. Die vom Geschichtsverein bisher gestarteten Bemühungen, auch die Sternwarte wieder zu aktivieren, sind bislang immer wieder gescheitert.

 

Aus der Geschichte des Steintores

Der untere Teil des Steintorturmes wurde vor 1306 errichtet. Zu dieser Zeit führte die Steinstraße noch durch den Turm hindurch und das Straßenniveau lag noch etwa 1,7 m tiefer als heute. Auch an diesem Turm zeichnen sich im Mauerwerk in ca. 9 m Höhe die alten Zinnen ab. Noch im 14. Jh. erfolgte eine Erhöhung des Turmes in gotischer Form. Hierbei erhielt er eine Spitze in Form einer hoch emporragenden Haube. Die Tordurchfahrt wurde neben den Turm verlegt und durch einen kleineren Nebenturm zusätzlich gesichert. Auch sie war mit einer Zwingeranlage und Vortor verbunden. Bei archäologischen Grabungen im März 2012 konnte vor dem Vortor eine Brücke aus Stein nachgewiesen werden. Im 17./18. Jahrhundert verfiel das Tor immer mehr und wurde 1835 abgetragen. 1837 ist es durch ein neues, einfaches Gittertor mit Pfeilern ersetzt worden, welches man jedoch nach 1875 ebenfalls abbrach. Das am Eingang zum Uckerwiek hin stehende Gebäude (Steinstraße 431), das 1847 von den Geschwister Ruwell zusammen mit dem Haus Nummer 432 angekauft und abgerissen wurde, diente bis dahin als Torkontrolleurhaus des Steintores. Das neue Torkontrolleurhaus entstand 1843/44 auf der gegenüberliegenden Seite der Straße. Es erhielt die alte Hausnummer (Steinstraße 431) und ging 1875 nach der Aufhebung der Mahl- und Schlachtsteuer in den Besitz des Rentiers Weyer und später an den Fotografen Bertuch.

Auf Initiative von Fritz Zingelmann entstand im Steintorturm eine Volkssternwarte, die am 22.4.1962 feierlich der Öffentlichkeit übergeben wurde. 1971 zählte die Volkssternwarte 4400 Besucher. Bis April 1972 waren es seit dem Bestehen der Sternwarte insgesamt 40.000 Besucher. Damals gab es auch eine Jugendgruppe, die der Lehrer Waldemar Ziemke betreute.

Blick auf den Steintorturm aus südlicher Richtung. Deutlich erkennbar die ehemaligen Zinnen (Pfeil), bevor der Turm im 14. Jh. deutlich erhöht wurde. (Foto: Dr. Matthias Schulz, 2013)

Blick auf den Steintorturm aus südlicher Richtung. Deutlich erkennbar die ehemaligen Zinnen (Pfeil), bevor der Turm im 14. Jh. deutlich erhöht wurde. (Foto: Dr. Matthias Schulz, 2013)

Blick auf den Steintorturm aus westlicher Richtung (vom Museum aus). Oben rechts markieren Abbruchspuren neben den Fenstern die einstige Außentoilette. (Foto: Dr. Matthias Schulz, 2011)

Blick auf den Steintorturm aus westlicher Richtung (vom Museum aus). Oben rechts markieren Abbruchspuren neben den Fenstern die einstige Außentoilette. (Foto: Dr. Matthias Schulz, 2011)

Aus dem ersten (13. Jh.), deutlich niedrigeren Turm führten westlich (links) und östlich (rechts, neben dem heutigen Eingang) Türen auf Laufgänge an der Stadtmauerkrone. Die damalige, im 14. Jh. abgebrochene, Stadtmauer hatte vermutlich in der Nähe des Turmes Zinnen. (Fotomontage: Dr. Matthias Schulz, 2012)

Aus dem ersten (13. Jh.), deutlich niedrigeren Turm führten westlich (links) und östlich (rechts, neben dem heutigen Eingang) Türen auf Laufgänge an der Stadtmauerkrone. Die damalige, im 14. Jh. abgebrochene, Stadtmauer hatte vermutlich in der Nähe des Turmes Zinnen. (Fotomontage: Dr. Matthias Schulz, 2012)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

  • Matthias Schulz: Das Steintor in Prenzlau. Mitt. Uckermärk. Geschver. 12, 2005, 5–11.
  • Jürgen Theil: Tätigkeitsbericht für die Jahre 1992/93. Mitt. Uckermärk. Geschver. 2, 1993, 75.
  • Jürgen Theil: Prenzlauer Stadtlexikon.
  • Heinz Wiechert: Tätigkeitsbericht für die Jahre 1994/95. Mitt. Uckermärk. Geschver. 4, 1995, 133.
  • Heinz Wiechert: Tätigkeitsbericht für das erste Halbjahr 1996. Mitt. Uckermärk. Geschver. 5, o. J., 189.