Hilferuf

Geschichtsverein setzt sich für die Rekonstruktion und den Wiederaufbau des Prenzlauer Rolands ein

Bereits im Heft 3 der Mitteilungen wurde 1994 in einem Artikel von unserem Vereinsmitglied Gerhard Kohn auf das 500jährige Rolandjubiläum hingewiesen. Nach dem Vorbild des 1916 auf dem Obermarkt enthüllten „Eisernen Rolands“ baute Vereinsmitglied Klaus Brand ebenfalls einen Roland aus Holz, der beim Stadtfest 1995 auf dem Markt aufgestellt wurde. Kinder und Erwachsene konnten für jeweils eine DM einen Nagel erwerben und diesen anschließend in den hölzernen Roland einschlagen („Eiserner Roland“). Zeitgleich wurde vom Geschichtsverein ein Faltblatt mit der Geschichte des Prenzlauer Rolands als Spendenaufruf herausgegeben. Vereinsmitglied Frank Wieland, der auch den Text entwarf, fertigte dazu eine Rekonstruktionszeichnung vom Roland an. Wenn auch diese Spendenaktion nicht den gewünschten finanziellen Ertrag erbrachte, so hat sie doch dazu beigetragen, mit der Volksbank einen potenten Sponsor zu finden, der in der Lage war, dieses Projekt im Jahre 2000 umzusetzen.

Quelle:

  • Heinz Wiechert, Tätigkeitsbericht 1994/95. In: Mitt. Uckermärk. Geschver., H. 4, 1996, 136.

 

Roland. Rolandsbilder sind Sinnbilder der Marktfreiheit und Marktgerechtigkeit. Diese überlebensgroßen Standbilder aus Stein oder Holz haben ihren Ursprung in Frankreich. Um 1100 begann ihre Verbreitung von Italien bis Schottland. Ihr Verbreitungsgebiet liegt insbesondere im fränkisch-sächsischen Raum. In ganz Europa sind insgesamt 42 Rolandbilder nachgewiesen. Der älteste deutsche Roland wurde 1348 in Hamburg erwähnt. In Ostdeutschland gab es 27 Rolande, 17 davon sind noch vollständig erhalten. In der Uckermark finden wir Rolande erwähnt in den Orten Angermünde, Potzlow und Prenzlau. Der Prenzlauer Roland wurde im Jahre 1495, nachdem der vermutlich aus Holz geschnitzte alte wahrscheinlich dem großen Brand vom Jahre 1483 zum Opfer gefallen war, auf dem Prenzlauer Marktplatz (Ecke Marktberg/Friedrichstraße – Standort der heutigen Stele) errichtet. In seiner unmittelbaren Nähe befand sich der Richtstein, das so genannte Hoch- bzw. Blutgericht. In der Nacht vom 21. Januar 1737 warf ein Sturm den Roland vom Sockel. Seine Bruchstücke wurden, mit Ausnahme des Schwertes und des Rumpfes, auf dem früheren Standort vergraben. Das 2,05 m lange Schwert wurde mit einer Inschrift versehen: „Roland der große Held, berühmt in aller Welt, hat mich geführt in seiner Hand, wie itzo jedermann bekannt. Doch im 1737er Jahr ein ungemeiner Sturm-Wind war, da ist mein Herr mit umgekommen und bin ich nun hier aufgenommen.“ Auf der anderen Seite steht: „Die Statue des Roland, welche anno 1496 auf dem Markte zu Prenzlau errichtet worden, ist von einem sehr heftigen Sturm-Winde den 21. Januar 1737, nachdem selbiges 241 Jahr gestanden, umgeworfen.“ Aus dem Rumpf des Roland wurde ein Leichenstein gehauen, der 1783 mit einer Urne geschmückt wurde. Nachdem der Obelisk von einem Leiterwagen umgefahren wurde, ist er 1835 erneuert worden. Dieser musste jedoch 1877 dem Kriegerdenkmal (steht heute am Stadtpark zwischen Hexenturm und Seilerturm) weichen und kam zum Untermarkt. Heute befinden sich die Reste des Prenzlauer Rolands im Kulturhistorischen Museum. Der Sockel steht z. Z. noch im Rosengarten Ecke Grabowstraße/Baustraße. 1916 wurde auf dem Obermarkt ein eiserner Roland enthüllt. Hierbei handelte es sich eigentlich um einen Roland aus Holz, der für Spenden mit Eisennägeln beschlagen werden konnte. Der Erlös sollte den Frontsoldaten zugute kommen. Auf der Grundlage der alten überlieferten Originalteile des historischen Rolandbildes entwarf der Bildhauer Toralf Jaeckel, Christianenhof, eine Nachbildung, die am 10.6.2000 vor dem „Hotel Uckermark“ enthüllt wurde.

Lit.: Dobbert, Ernst: Der Prenzlauer Roland, in: MUMGVP Bd. 1 (Heft 2), Prenzlau 1902, S. 76-78, 1992 im Nachdruck erschienen. Schwartz, Emil: Geschichte der Uckermärkischen Hauptstadt Prenzlau, Bad Pyrmont 1973, S. 332. Tegge, Hans: Wenn Steine reden …, in: HK 1970, S. 59-61. Zillmann-Lindow, Annegret: Geschichte ehemaliger Rolandsäulen unseres Kreises, in: HK 1979, S. 84f. Kohn, Gerhard: Über den Prenzlauer Roland, in: MUGVP Heft 3, 1994, S. 5-8. Wieland, Frank: Chronik des Prenzlauer Rolands, hrsg. vom Uckermärkischen Geschichtsverein zu Prenzlau, Prenzlau 1995. Kohn, Gerhard: Warum wurde der Roland von Prenzlau im 18. Jh. nicht wieder aufgestellt?, in: HK 1995, S. 32-34. Lindow, Annegret: Zum Prenzlauer Roland, in: HK 2000, S. 45f. Munzel-Everling, Dietlinde: Rolande im Nordosten. Moderne Wahrzeichen, in: HeimatKurier vom 19.3.2007, S. 22.

 

Quelle: Jürgen Theil: Stadtlexikon Prenzlau

 

Enthüllung der neuen Roland-Statue von Toralf Jäckel am 10.06.2000 vor dem Hotel Uckermark. (Bild: Archiv UGVP)

Enthüllung der neuen Roland-Statue von Toralf Jäckel am 10.06.2000 vor dem Hotel Uckermark. (Bild: Archiv UGVP)

Der „Eiserne Roland“ 1916 auf dem Prenzlauer Marktplatz. (Bild: Archiv UGVP)

Der „Eiserne Roland“ 1916 auf dem Prenzlauer Marktplatz. (Bild: Archiv UGVP)