Hilferuf

Der Uckermärkische Geschichtsverein setzte sich nach dem Bekannt werden der Abrisspläne für die Margarinefabrik intensiv für den Erhalt dieser bedeutenden Industrieruine ein. Es handelt sich hierbei um die älteste Margarinefabrik Brandenburgs. Die im Jahre 1896 im Kastell-Stil ausm roten Backsteinen errichtete imposante Anlage von dem einstigen Bürger- und Gewerbestolz, der Prenzlau zu einer wichtigen Metropole der verarbeitenden landwirtschaftlichen Industrie aufsteigen ließ. Die in Prenzlau produzierte „Blaubandmargarine“ wurde zu einem begehrten deutschen Markenerzeugnis. Die Mitglieder des Geschichtsvereins erachteten es deshalb als sinnvoll und notwendig, die Margarinefabrik als technisches Denkmal unter Schutz zu stellen und eine geeignete Nutzungskonzeption zu erarbeiten. Es folgten verschiedene Schreiben an die untere und obere Denkmalschutzbehörde, an verschiedene Museen und wissenschaftliche Mitarbeiter sowie an den Prenzlauer Bürgermeister Jürgen Hoppe, bevor wir im März 2000 zu einer Arbeitstagung mit verschiedenen Experten einluden. Die in Weimar Bauingenieurswesen studierenden André Radau und Jens Radtke konnten vom Verein gewonnen werden, um in einer Studienarbeit den Bauzustand der Margarinefabrik sowie eine Kostenanalyse für die Sanierung mit Teilabriss zu erarbeiten. Zuvor hatte unser Vereinsmitglied Dr. Peter Franke, der sich in der Vergangenheit intensiv mit Prenzlaus Geschichte im 19. Jahrhundert beschäftigt hat, bereits eine umfangreiche Dokumentation und ein Nutzungskonzept zu Margarinefabrik entwickelt.

Leider blieben die Bemühungen erfolglos. Am 3. September 2008 begannen die Abrissarbeiten, da auf diesem Areal ein Regenwasserrückhaltebecken entstehen sollte, das jedoch nie gebaut wurde. Auch der hier angelegte Parkplatz ist bislang ungenutzt geblieben.

Quelle:

  • Mitteilungen des Uckermärkischen Geschichtsvereins zu Prenzlau, Heft 10, 2001, S. 252-258.

 

Margarinefabrik. In Prenzlau befindet sich heute eine der ältesten deutschen Margarinefabriken. Franz Wienholz errichtete 1896 eine im „Kastell-Stil“ aus roten Backsteinen aufgeführte „Dampfmolkerei- und Margarinefabrik“. Im Erdgeschoss der Fabrik befanden sich Stallungen, im Obergeschoss Lagerböden und Arbeiterwohnungen. Unter der Margarinefabrik lag eine gewölbte Kelleretage, in der sich Käse- und Rahmkeller, die Butterei und das Butterlager befanden. Die maschinelle Produktion erfolgte in der Erdetage. Eine Eismaschine befand sich im Obergeschoss, darüber lag der Lagerboden und eine Wohnung, den Abschluss bildete ein flaches Dach mit Terrasse. Der 25 m hohe Fabrikschornstein konnte erst 1899 fertig gestellt werden. In den Jahren 1921/22 wurde die Fabrik mit einem Erweiterungsbau, ein schlichter Fachwerkbau, vergrößert. 1927 ist das stillgelegte Kesselhaus in eine Autogarage umgebaut worden, und 1932 entstand für die Automobile der Firma eine eigene Tankstelle. Die in der Fabrik produzierten Margarinesorten trugen die Namen: Blauband, Prenzlauer Gold, Uckerperle und Winosa. 1945 wurde die Margarinefabrik stillgelegt, nachdem man alle Maschinen ausgebaut hatte (s.u. Wienholz und Franz-Wienholz-Straße). Später dienten die Fabrik als Lagerhalle und beherbergte verschiedene Büros (u.a. der PGH). In den 90er Jahren befand sich im Hauptgebäude die Volksbank. Die Stadt Prenzlau ist mit Bescheid der Oberfinanzdirektion am 16.4.1999 Eigentümer des gesamten Grundstücks der Margarinefabrik geworden. Am 7.8.2001 erwarb Jens Putz die Margarinefabrik von der Stadt Prenzlau für den symbolischen Preis von einer DM, um hier mit weiteren Partnern Sozialwohnungen zu errichten. Nachdem dieses Projekt scheiterte erfolgte am 17.4.2008 von der Stadt der Rückkauf für einen Euro zum Zwecke des Abrisses dieses Gebäudes, der noch am 3.9. desselben Jahres begann. Das Grundstück hat eine Gesamtgröße von 4842 qm (Flur 7, 7/3 3584 qm und 6/3 1258qm) und liegt zwischen der „Hochstraße“ und der alten Brüssower Straße. Lit.: Franke, Peter: Margarinefabrik, in: PZ vom 9.12.1995. Ders.: Prenzlauer Wirtschaftsbürger, in: MUGVP Heft 5, 1996, S. 103-142. Ders.: Regionale Herkunft und unternehmerisches Profil von Gewerbetreibenden in der Uckermark im langen 19. Jh. (Vortrag vom 20.5.2000). Theil, Jürgen: Zur Prenzlauer Margarinefabrik, in: MUGV Heft 10, Berlin 2001, S. 252-254. Radke, Jens und Radau, André: Untersuchungen zur Margarinefabrik in Prenzlau. Ein Arbeitsbericht, in: MUGV Heft 10, Berlin 2001, S. 255-258.

Quelle: Stadtlexikon

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